#metoo: Wird die Bewegung zum männlichen Tsunami?

„Weinstein / Levine / Schröcksnadel: Machos des vorigen Jahrhunderts werden vom heiligen Podest gestürzt: GUT SO!


Werden die Paradise Papers und die Aufdeckung der sexuellen Übergriffe wirklich unsere Gesellschaft verändern?

fragte Slavoj Zizek in der NZZ vom 28. November. Bestechend analysierte er #metoo : „Den Todesstoss könnten dem bis heute anhaltenden Patriarchat nun die Frauen versetzen, jene Frauen, die massiv in die Öffentlichkeit drängen. Sie berichten unter #MeToo offen von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt von Männern.

Was hier geschieht, ist womöglich ein Epochenwandel, ein grosses Erwachen, ein neues Kapitel in der Geschichte des menschlichen Zusammenlebens.

Und weiter:

Was sich dabei herauskristallisiert, ist etwas, das wir, zumindest unterschwellig, all die Zeit über wussten. Wir wollten es nur nicht offen aussprechen: Es gibt Hunderte Arten, Frauen sexuell auszunutzen. Frauen bringen jetzt die dunkle Kehrseite unserer öffentlichen Behauptungen von Gleichheit und gegenseitigem Respekt ans Tageslicht. Dadurch sehen wir uns plötzlich mit der Einsicht konfrontiert, wie heuchlerisch und einseitig unsere in Mode gekommene Kritik an der Unterdrückung der Frauen in muslimischen Ländern war und ist: Nun müssen wir uns der eigenen Realität von Unterdrückung und Ausbeutung stellen“.


Vom ersten „Opfer“ Weinstein in Hollywood …

Das Tempo, das #metoo mittlerweile aufnimmt, überrascht doch: wie rasch die einstige Grösse, Weinstein, von seinem Machtsockel gestürzt wurde, ist erstaunlich. Zwei eher unbekannte Filmsternchen lösten eine Solidarbewegung aus. Als sich kurz darauf Stars wie Gwyneth Paltrow und Uma Thurman „anhängten“ – letztere knallte schon schärfere Worte hintendrein – erreichte die Bugwelle einen Fallhöhe für Weinstein, die immer tiefer wird.

Es verwundert nicht, dass dabei Männer eine sehr unglückliche Figur als „Cowards“ abgeben: allen voran Quentin Tarantino, Matt Damon und der allseits so geliebte George Clooney. Sie wussten alle davon und sagten aus Karrieregründen (?) jahrelang nichts.

Jämmerlich und armselig!

…bis zum Stardirigenten der Met: James Levine!

Die BOMBE:

Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.

Laut der NY-Times soll der 74jährige Levine einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang bis 1993 sexuell missbraucht und ihn fast in den Suizid getrieben haben. Nachdem am Sonntagabend ein Bericht über drei weitere Musiker mit ähnlichen Erfahrungen in der NY-Times auftauchte, zog der Generaldirektor Peter Gelb die Reißleine.

Von einer Tragödie für alle Betroffenen zu sprechen, ist gelinde ausgedrückt – dieser Skandal an einem der grössten Opernhäuser dieses Planeten kommt einem „Tsunami“ epischen Ausmasses gleich.


#metoo : eine Frau macht den Unterschied: Werdenigg!

Es dauerte nur einige Tage, wie bei uns eine kleine Lawine losgetreten wurde – von Frau Werdenigg: einer ehemaligen Skirennläuferin! Was sie über sexuellen Missbrauch im Skizirkus berichtete, erschütterte in kleinen, immer stärker werdenden Schüben die Republik.

Schröcksnadel – machtbewusstes, letztes Exemplar der Spezies: Macho – glaubte zuerst mit einer Drohung gegen Frau Werdenigg vorgehen zu können. Aber da lag er um eine Jahrtausendwende daneben, denn Frau Werdenigg machte keine Anstalten auch nur eine Sekunde vor dem allmächtigen Skiverbandschef einzuknicken – im Gegenteil:

sie ließ ihn elegant und sehr intelligent „auffahren“!

 

Toni Innauer: #MeAlmostToo?

Vielleicht hat er es ja von Clooney abgeschaut, dieses maue und fade „jetzt_sag_ich_auch_mal_was“. Allein sein Beginn, wo er meint, dass „Peter Schröcksnadel und Hans Pum verfehlten im Umgang mit dem hochsensiblen Thema und der Betroffenen anfänglich ganz klar Ton und Thema,“ kommt wenig überzeugend über die Rampe. Auch die Aussage, „bis auf ganz wenige schwarze Schafe sind die Betreuer und Trainer schon früher ihren Aufgaben integer und verantwortungsbewusst nachgekommen“ rundet dieses traurige Schauspiel um den einstigen Spitzenathleten ab.

Wenig plausibel ist überdies, dass Innauer vom „Pastern“ (ein Einführungsritual, das oft in sexuelle Übergriffe mündete) als langjährig-Verantwortlicher selbst nichts gewusst haben will?!

ÖSV-Skandal: Schröcksnadel nennt Innauer „Pharisäer“?

Österreich ist und bleibt eine Bananenrepublik, ach wie schön…

Nein – wie verlogen!

Schröcksnadel ist tief von der eher lauwarmen Kritik Innauers getroffen. Er reagierte mit einem Brief an die OÖN: „Deine Ansage heute ist (…) aus meiner Sicht schon sehr bedauerlich, weil du dich dadurch in die Gilde der Opportunisten und Pharisäer einreihst, was ich schade finde“, so der 76-Jährige.

Vergleichbar mit New York – auch bei uns haben sich mehrere Missbrauchsopfer gemeldet! – ist dieses einfältige „Pharisäer- und Opportunisten-Gezeter“ von Männern, die über Jahrzehnte als Vorbilder für die Jugend galten, nur mehr erbärmlich!

Bleibt die Frage: wann geht Schröcksnadel?!


Zurück zu Slavoj Zizek.

Seine ersten These – „Sexualität, Macht und Gewalt sind viel stärker miteinander verflochten, als wir es uns in unserer Schonzivilisation einzugestehen pflegen“ – wird durch das bizarre und total ins Absurde abdriftende Verhalten des ÖSV und seines Chefs in allen Facetten bestätigt. Obwohl die riesige Empörung, die unfassbare Sympathiewelle und der Mut von Frau Werdenigg, sich zu offenbaren, erst einige Tage her ist, kann man die grosse Veränderung, die davon ausgeht, in jedem Bericht, jeder Zeile die darüber geschrieben wird, körperlich spüren.

Zum Zweiten ist es Zizek wichtig, „dass die anhaltende Explosion nicht auf die Reichen und Schönen beschränkt bleibt, sondern im Alltagsleben gewöhnlicher unsichtbarer Menschen ankommt“. Diese Entwicklung wäre das wirklich epochale, das grosse Erwachen, eine Tsunami an Veränderung im Zusammenleben der Menschen.

Ob wir lange dafür brauchen werden, oder ob wir es rasch und ohne große Eruption schaffen werden – endlich – ein menschenwürdiges, humanes, vor allem aber gleichWERTIGES Leben zwischen Mann und Frau auf allen Ebenen der Institutionen zu organisieren,

das liegt allein an UNS ALLEN!

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Otmar Pregetter
Otmar Pregetter promovierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und studierte auch in Berkeley, CA, und an der Cornell University, N.Y. State in den USA.
Er war mehr als 10 Jahre in internationalen Konzernen (Philips Industrie GmbH, SAS International Hotels, Österreichische Verkehrsbüro AG) überwiegend in Führungsverantwortung tätig, bevor er sich als Unternehmensberater im Tourismus, der Freizeitwirtschaft und im Handel selbständig machte.
Weiters ist er als Lektor an Universitäten und Fachhochschulen tätig.
Als Co-Autor des Bestsellers „Das Ende des Geldes“ (die Zusammenarbeit mit Franz Hörmann hat er am 5. Dezember 2011 per Presseaussendung beendet) ist es ihm ein persönliches Anliegen, die Menschen über die wichtigsten Zusammenhänge der größten Wirtschaftskrise seit 1929 aufzuklären.
Credo: Das einzig systemrelevante auf dieser Welt - sind wir MENSCHEN!

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